Glatze ade?
Wie man die Wirksamkeit von Haarwuchsmitteln testen kann
Die Wirksamkeit von Haarwuchsmitteln testet die deutsche Firma proDERM Institut für Angewandte Dermatologische Forschung GmbH, mithilfe einer Lösung des Software Competence Center Hagenberg.
Überblick
Dr. Bernhard Moser, der Bereichsleiter von Knowledge-Based Technology, erklärt:“Am Kopf der Testperson wird ein Quadratzentimeter als Beobachtungsgebiet festgelegt, an dem die Wirkung des Mittels beobachtet wird. Dazu fotografiert man alle zwei Tage dieselbe Stelle. Allerdings ist es nicht einfach immer exakt die gleiche Stelle zu finden und den Wuchs der einzelnen Haare miteinander zu vergleichen.“

Herausforderung
Mit derselben Herausforderung sieht man sich auch konfrontiert, wenn man versucht die Bilder automatisiert miteinander zu vergleichen. Die Mitarbeiter des SCCH machten sich zunächst daran das Problem der Bildsegmentierung zu lösen. Dabei geht es darum, dass die einzelnen Haarwurzeln identifiziert werden müssen, um ihre Entwicklung verfolgen zu können. Angesichts einer Zahl von durchschnittlich 200 Haaren pro Quadratzentimeter kein leichtes Unterfangen. Gelöst wurde dieses Problem mit modellbasierten Methoden, wobei die Software Haare als solche klassifiziert und die Wurzeln identifiziert – oder anders gesagt: Sie ist in der Lage, ein bestimmtes Haar auf dem einen Bild zwei Tage später auf einem anderen Bild wiederzufinden und miteinander zu vergleichen. Obwohl es (vorausgesetzt das Haarwuchsmittel wirkt) ja gewachsen ist und damit sein Aussehen verändert hat!
Lösung
Das bedingt aber auch die Lösung des ersten Problems: nämlich genau den ausgewählten Quadratzentimeter zu definieren und zu finden. Dies geschieht indem die Bilder übereinander gelegt werden und ein Algorithmus zur Anwendung kommt. Sind die Haarwurzeln exakt deckungsgleich, handelt es sich um denselben Ausschnitt. Allerdings wird die Sache auch hier kompliziert, wenn das Haarwuchsmittel hält, was es verspricht: Denn die Haare beginnen sich im Wachsen zu überdecken, was deren Zuordnung erschwert. Das zweite Bild (also die Haare zwei Tage später) ist bezüglich der Haarwurzeln eine Transformation des ersten: Die Haare sind gewachsen und verdichten sich. Wird diese Transformation bestimmt, kann der Bezug zum ersten Bild hergestellt und so die Zugehörigkeit der Haare bestimmt werden. Als Ergebnis liefert die Software den Wissenschaftern bei proDERM alle Daten in Form einer statistischen Auswertung: Wie viele Haarwurzeln begannen im Beobachtungszeitraum zu sprießen und wie lang wurde das Haar?