SCCH: Entwicklungspartner für Start-ups

Presseaussendung vom 08.12.2019

Vom Prototyp bis zur Forschungskooperation

Seit 20 Jahren betreibt das Software Competence Center Hagenberg anwendungsori-entierte Forschung unter anderem im Bereich Softwareanalyse. Daraus konnten um-fassende Erkenntnisse gewonnen und in Forschungsprojekten mit Wirtschaftspart-nern in verschiedensten Bereichen angewendet werden. So kann das SCCH Unter-nehmen dabei helfen, neue Lösungswege auf Basis aktueller Forschungsergebnisse zu finden und erfolgreich mit den Partnern umzusetzen.
Das außeruniversitäre Forschungszentrum betreibt exzellente Spitzenforschung in den Berei-chen Software Science und Data Science in Zusammenarbeit mit wissenschaftlichen Part-nern und der heimischen Wirtschaft. Als COMET K1-Zentrum bietet das SCCH Unternehmen jeder Größe Unterstützung vom ‚Proof of Concept‘ über die Prototypentwicklung zu konkreten Forschungsvorhaben. Start-Ups werden etwa im Rahmen des technischen Mentorings betreut. Dabei steht ein Experte des SCCH als Ratgeber während der gesamten Findungsphase regelmäßig zur Verfügung und unterstützt den Prozess. Der jährliche Soft-ware Research Day des SCCH dient als Plattform, auf der Gründer ihre Produktideen vor-stellen und sich mit Experten, Forschungs- und Unternehmenspartnern des SCCH vernetzen können. 
„Das SCCH hat seit Jahren offene Türen für Gründer. Für uns sind dabei sowohl die hoch innovativen Technologien spannend wie auch die daraus entwickelten Geschäftsmodelle“, beschreibt Geschäftsführer Mag. Markus Manz die Vorteile einer Zusammenarbeit für beide Seiten: „Zum einen können wir die Gründer mit neuesten Forschungsergebnissen und unse-rer Erfahrung aus der angewandten Forschung sehr gut dabei unterstützen, ihr Produkt zu vervollständigen. Auf der anderen Seite ergibt sich daraus auch ein besseres Verständnis dafür, wie wir am SCCH entwickelte Technologien selbst als Spin-Off verwerten können und wann eine Lösung marktreif ist.“  
Aktuell unterstützt das SCCH drei Linzer Start-Ups im Rahmen des FFG Basis-Programms: Die blockhealth GmbH arbeitet an einem digitalen Gesundheitsassistenten welcher beim Selbstmanagement der eigenen Gesundheitsdaten unterstützt und rechtzeitig an die Medika-menteneinnahme, Vorsorgeuntersuchungen und Impfauffrischungen erinnert. Das SCCH arbeitet gemeinsam mit den Gründern an einer Arzt-Patienten Schnittstelle zur gezielten Kommunikation gesundheitsrelevanter Informationen."
Die Chatvisor GmbH entwickelt eine Kommunikationsplattform, die Unternehmen die Be-antwortung von Kundenfragen im Online-Kundenservice vereinfacht und dort Effizienz stei-gert. Das SCCH wird bei der Sammlung, Analyse und Visualisierung anfallender Daten bis hin zu Predictive Behavioral Analytics unterstützen. 
Das dritte Start-Up ist die 2018 in Linz gegründete und höchst erfolgreiche Symflower GmbH.

Vorreiter für automatisierte Softwaretests

DI Evelyn Haslinger und DI Markus Zimmermann haben an der JKU Technische Informatik studiert und schon während des Studiums versucht, Softwaretests zu beschleunigen. Zimmermann legte bereits in seiner Diplomarbeit den Grundstein für die spätere Gründung. In der modernen Softwareentwicklung soll ein Developer, während er ein Programm schreibt, dafür auch laufend Testfälle erstellten. „Konventionelle Softwareprüfungen sind daher teuer, zeitaufwendig und fehleranfällig“, erklärt Zimmermann das Problem. Deshalb gingen die beiden 2017 daran, die Softwareüberprüfung zu automatisieren. „Wir analysieren den Source Code bestehender Systeme. Auf Basis mathematischer Modelle werden Tests erstellt und ausgeführt. Das Verfahren ist allgemein gültig und kann für Embedded Systems in Produktionsanlagen ebenso eingesetzt werden wie für Business Software am Desktop. „Das Ergebnis ist ein - mithilfe umfassender Tests - vollständig überprüfter Source Code, automa-tisch von einer KI geschrieben“, erläutern die Gründer. „Der Vorteil liegt in der enormen Zeit-ersparnis. Testaufwand  und Entwicklungszeiten werden drastisch reduziert. Dabei steigt die Qualität der Programme. Da unsere Tests Fehler direkt im Programm aufzeigen, können diese noch vor der Auslieferung behoben werden. So schlagen Programmabstür-ze oder Sicherheitslücken nicht bis zum Kunden durch und die Entwickler können sich aufs Programmieren konzentrieren“, so Haslinger.

SCCH als Mentor in der Startphase 

„Unterstützung kam gleich zu Beginn der Gründerphase von tech2b, die als Inkubator techno-logie-orientierte Gründungen bei der Verwirklichung ihrer Geschäftsidee coachen und beglei-ten. Die Aufnahme in das Scale-Up-Programm hat uns enorm gepusht, vor allem durch das technische Mentoring des SCCH. Das Software Competence Center Hagenberg ist einfach die Adresse in Oberösterreich, wenn es um Softwaretesting geht. Zudem hat das SCCH wichtige Kontakte zur Wirtschaft“, bekräftigt Haslinger.
2018 erfolgte die offizielle Gründung der Symflower GmbH. Im nächsten Schritt war das jun-ge Unternehmen gemeinsam mit dem SCCH bereits erfolgreich beim Antrag im Basis-programm der FFG. Bis Ende März 2020 wird ein Jahr lang gemeinsam daran gearbeitet, das Produkt weiterzuentwickeln. „Die Entwickler wollen nachvollziehen können, was der Test macht – erst recht, wenn sie ihn nicht selbst geschrieben haben. Daher wollen wir durch Transparenz die Akzeptanz der automatischen Tests erhöhen“, erklärt Zimmermann.
Nachdem die Problemstellungen gemeinsam identifiziert wurden, bereitet das SCCH erste Evaluierungen vor und arbeitet auch aktiv im Projekt mit. „Wir arbeiten schrittweise und ver-suchen, immer bessere Tests zu generieren, die auch alle Spezialfälle abdecken“, erklärt Haslinger. Auch für die Experten am SCCH sind die Fragestellungen überaus spannend: „Symflower setzt sehr ambitionierte Techniken ein. Ihr Werkzeug ist auf einem Entwick-lungsstand, der auch in der Forschung zur absoluten Spitze zählt. Wir arbeiten mit ähn-lichen Methoden in der Softwareanalyse und können damit brandaktuelle Forschungser-gebnisse direkt in die Produktentwicklung einbringen. Alles in sehr enger Abstimmung. Die beiden Jungunternehmer geben das Tempo vor und wir setzen die Lösung dann gemeinsam um. Es ist faszinierend und super motivierend zu sehen, wie schnell aus den Ideen neue Fea-tures werden“, ist Rudolf Ramler, wissenschaftlicher Leiter des Bereiches Software Science am SCCH, begeistert. 
„Das SCCH ist ein wertvoller Partner für uns - schon in der Start-Up-Phase und jetzt auch beim nächsten Entwicklungsschritt. Sie haben uns auch bei der Antragstellung unterstützt, das war eine große Hilfe. Der Austausch mit den Experten bringt uns enorm weiter“, freuen sich die Jungunternehmer. Die weiteren Schritte sind bei Symflower bereits eingetaktet: Jetzt geht es für die Linzer Software-Analysten darum, zu wachsen. Nach einem Investment von eQventure in Höhe von 500.000 Euro soll das Angebot von Go und Java auf neue Program-miersprachen erweitert werden. „Dazu müssen wir auch personell wachsen und suchen gute Entwickler, die gerne an trendigen Software-Lösungen in einem sehr for-schungsnahen Bereich arbeiten“, beschreibt Evelyn Haslinger die Zielrichtung.